VAMP Award 2016 – Einreichfrist verlängert
6. Oktober 2016 – 07:52 | No Comment

Für den vom „Verband Ambient Media, Promotion und Digital out of Home“ vergebenen VAMP Award wird die Einreichfrist bis 16. Oktober verlängert. Alle Spätentschlossenen Kreativ-, Media-, Ambient Media, Promotion und DOOH-Agenturen sind herzlich eingeladen ihre …

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Shanghai sehen und sterben

Submitted by Redaktion on 5. November 2010 – 14:25No Comment
Shanghai sehen und sterben

Nein, das muß man wirklich nicht; aber einen regelmäßigen Besuch ist diese “Stadt der Zukunft”, wie sie immer häufiger bezeichnet wird, auf jeden Fall wert – meint Daniela Krautsack, Eigentümerin von Cows In Jackets, in Ihrem Gastkommentar.

Denn, was sich schon beim Spaziergang durch Shanghais Stadtteil Pudong, wo vor 20 Jahren noch Sumpfland war und nun dreitausend Wolkenkratzer in den Himmel wachsen, zeigt, ist was Chinesen denken: „Pekinger können über alles reden, Kantonesen alles essen, und Shanghaier alles machen“. Die Stadt ist grell, betont modern und verkörpert, was aus China einmal werden könnte. Shanghai hat die Welt gelehrt, was Geschwindigkeit heißt. Ein Willkommensgruß in Sachen Geschwindigkeit begegnet mir schon vor den Toren der Stadt. Der Maglev Transrapid fährt 430 Sachen und in neun Minuten bin ich am Stadtrand der neun Millionen Stadt. Dann geht’s mit einer der zwölf U-Bahn-Linien weiter und ich denke fünf Jahre zurück, als ich Shanghai das erste Mal betrat. Zwei U-Bahn-Linien gab es damals.
Seither scheint sich hier die Uhr viermal so schnell wie im Rest der Welt zu drehen. Tausende Bäume wurden gepflanzt, Parks angelegt, sämtlicher Müll von den Straßen entfernt. Sogar neue Brücken wurden gebaut. Die vielen Motorräder, die schon damals die Straßenkreuzungen prägten, hört man kaum mehr. Es ist seltsam leise geworden auf den Straßen Shanghais. Elektrovehikel sei dank. Oder dem Motto der diesjährigen Expo „Better City, Better Life“, mit dem Shanghai die Länder dieser Erde aufrief, sich China und der Weltöffentlichkeit mit dem Themenfokus und den Errungenschaften im Bereich Stadtentwicklung zu präsentieren. Hätte ich mich vor meiner Reise besser informiert und herausgefunden, daß für die Expo 20.000 Familien umgesiedelt wurden, hätte ich diese Weltausstellung aus Protest nicht besucht.
Die Begeisterung über den Expo Entertainment Park, mit seinen bunten Pavillons, den kitschigen LED Installationen, dem gar peinlichen Innendekor, das manche Staaten wählten und dem Fehlen der verheißenen globalen Avantgarde, hielt sich daher in Grenzen. Über zweihundert Länder und Organisationen, von Coca Cola bis zum World Water Council, waren auf dem fünf Quadratkilometer großen Gelände vertreten. Es war ein Wettkampf der Architekten, die mit Fassadenkonstruktionen aus Strohmatten und Blumentöpfen, Metallplättchen und Holzpflöcken um die Aufmerksamkeit der Besucher buhlten. 16 Mio. € hat Österreich für den Auftritt ausgegeben, 50 Mio. € die Deutschen und Saudi Arabien, so hört man, satte 116 Mio. €. Jeder Pavillon präsentierte seine eigene Uniform. Österreich eine Dirndl-Neuinterpretation aus Strick, unsere deutschen Nachbarn eine rot-weiße Rock-Polohemd-Kombination. Zeitgenössische Kunst gab es am ganzen Expo Gelände kaum – außer im Österreich-Pavillon. Dort hing, nicht im öffentlichen Innenraum, sondern beim VIP-Eingang eine Glasfaserkabel-Installation von Friedrich Biedermann, aus deren offenen Enden Bilder von Bergen, Wäldern und Städten projiziert wurden. So wenig Kunst auf dem Expo-Gelände vorzufinden war, umso mehr hat die Stadt zu bieten. Unzählige Galerien, Kunstmessen und zwei neue Museen für zeitgenössische Kunst ließen mein Herz höher schlagen.Was man in Shanghai sieht, ist, daß wir in der Zukunft nicht nur ganze Städte, sondern auch einzelne Stadtteile vermarkten werden. Daß die Stadt kein Schokoriegel ist und ihre Merkmale sich nicht eindimensional auf eine Essenz, wie ‚vertrauenswürdig’ oder ‚funktional’ reduzieren lassen, haben Stadtplaner wie Marketingexperten zum Glück nicht nur in China sondern weltweit erkannt. Was den Bewohnern und Besuchern durch regionales city branding geboten werden soll, ist eine verstärkte Wahrnehmung dieser Orte. Die Lichtelemente, die Shanghais Baumalleen zieren, geben genau diesen Eindruck wieder. Während meines Besuchs in Shanghai vor fünf Jahren war auf jeder Straßenlaterne entlang der Einkaufsstraße Nanjing Road ein Pepsi Logo angebracht. 2010 erstrahlt die Straße in Gänseblümchenoptik. Und dient mir als Wegweiser und zur Orientierung auch ohne Stadtkarte. Sponsor des ‚street branding’ ist die Stadt selbst, die nicht nur die Expo bewarb, sondern damit ihr grünes Image „pimpt“.
Die Außenwerbelandschaft stellt in Shanghai für Plakatwerber einerseits ein grenzenloses Spektrum an kreativem Spielraum dar, anderseits beißt sich die in Shanghai ansässige internationale Agenturszene an den lokalen Baubehörden, die sich nur durch monetäres good-will und ‚guangxi’ – in Österreich als Geschäftsvitamin ‚B’ für ‚Beziehungen’ bekannt – in Bewegung setzt, die Zähne aus. Auf meine Frage, ob Shanghai unkonventioneller Außenwerbung eine gute Plattform bietet, antwortet der CEO der österreichischen Agentur Montfort Shanghai Advertising diplomatisch: „Der Louis Vuitton Koffer auf der Nanjing Road steht seit sechs Monaten da. Ich nehme an, diese Werbefläche wird nur wegen der Expo erlaubt, weil sich die Regelungen in Bezug auf Werbung seit zwei Jahren etwas gelockert haben. Der Koffer ist groß, jeder kann ihn sehen und egal, ob Ausländer oder Chinese, man spricht über dieses Riesenobjekt. Im März, als sie ihn aufgebaut haben, hat man schon darüber geredet, weil diese Umsetzung in der Stadt etwas Außergewöhnliches ist. Für unkonventionelle Ideen Genehmigungen zu bekommen, ist hier oft ein Ding der Unmöglichkeit.“
Und wie sieht für chinesische Kommunikationsexperten die mediale Zukunft ihres Landes aus, in dem 750 Millionen Chinesen mobil telefonieren, pro Tag 10 Milliarden SMS verschicken, 2,1 Millionen E-books dieses Jahr verkauft wurden – Tendenz rapide steigend – und in dem das extrem fragmentierte Medium Außenwerbung nur dann langfristig überleben wird, wenn es sinnvoll in die Stadtplanung und Infrastruktur integriert wird und den urbanen Raum ästhetisch und inhaltlich aufwertet? Digital. Wie sonst? „Online media usage, online communication, online shopping, online gaming“ lauten die 4 key trends für die nächsten Jahre. Eingewickelt in staatliche Kontrolle und Zensur. Facebook ist jedenfalls offline und was aus dem Ausland kommt, wird nicht nur kritisch beäugt, sondern präventiv mit Zensur belegt.
Ich frage mich also durch diesen Artikel hindurch, welchen Fleck dieser Erde man unbedingt sehen muß, um dann in Ruhe mit sich und mit dem Gefühl, das Paradies entdeckt zu haben, ins ewige Licht schreiten kann. Der erste Weg der Erkenntnis: Es ist keine Stadt, sondern eine schilder- und lärmfreie Zone am Land.

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